Speditionen in der Krise

Frachtgut auf Halde – Speditionen in der Krise

Während sich praktisch alle Wirtschaftszweige fragen, wann und wie der Weg aus der konjunkturellen Talsohle beschritten werden kann bzw. ob man denn bereits die ersten Anzeichen einer Bewegung Richtung Konsolidierung sehe, scheint auch die deutsche Speditionsbranche mit ihren Zugpferden tief im Treibsand der weltweiten Auftragseinbrüche zu stecken. Ähnlich dem alltäglichen Stau vor internationalen Zollabfertigungen, stehen auch die Aufträge quasi in Warteposition, da die meisten Unternehmen weniger produzieren oder schlicht und ergreifend kein Geld haben, um ihre Fracht in Bewegung setzen zu lassen. Das Resultat ist ein steigender Bedarf an im besten Fall Sanierungs- und im schlimmsten Fall Insolvenzberatung, der laut Bundesverband Güterverkehr, Logistik und Entsorgung zu befürchtenden 5 000 Speditionspleiten für 2009.

Neben den ausbleibenden Aufträgen sind es vor allem aber auch die Banken und deren zurückhaltende Kreditvergabe, welche den deutschen Speditionen arg zusetzt. Für einen Fuhrpark, der kein Geld verdient, sondern auf den Höfen der Speditionen steht, möchte kein Finanzierer Kredite vergeben – und wenn zu ungewöhnlich hohen Risikoprämien, die ihrerseits eine Insolvenzberatung seitens der Berufsverbände und unabhängiger Beratergesellschaften nur noch realistischer machen. Schließlich sehen sich die Spediteure in einem wahrhaftem Dilemma: Ohne Kredite und neue Aufträge können sie im besten Fall noch auf Auftragsbestände aus dem letzten oder vorletzten Jahr zurückgreifen. Sobald jedoch diese Reserven aufgebraucht sind und aktuelle Kunden ebensolche Liquiditätsengpässe aufweisen, bleibt den Speditionen kein Spielraum, um Kunden durch großzügige Zahlungsziele oder Rabatte zu Folgeaufträgen animieren bzw. Neukunden generieren zu können.
Eine effektive Sanierungsberatung muss neben diesen Aspekten auch schmerzhafte Einschnitte wie eben Kurzarbeit, Abbau von Resturlaub, Personalabbau oder aber auch alternative Wege bei der Kreditsuche aufzeigen und thematisieren. So sind einige LKW-Hersteller bzw. deren Finanztöchter dazu übergegangen, Kredite an mittelständische Unternehmen zu vergeben bzw. eine günstige Finanzierung des Fuhrparks anzubieten. Andererseits treiben sich aus dem Geschäft verabschiedende Warenkreditversicherer viele vor allem kleinere Betriebe an den Rand einer Insolvenz, indem sie nämlich die Speditionen dazu zwingen, das Risiko eines Zahlungsausfalls seitens der Kunden alleine zu tragen.
Fahren praktisch alle Industrie- und Dienstleistungszweige ihre Produktions- und Auftragsraten zurück, sinken automatisch auch die Frachtraten und damit die Auslastung der LKW. Bei gestiegenen Mautgebühren und Treibstoffkosten und bei fehlender Liquidität sehen sich demnach zahlreiche Speditionsunternehmen in einem Krisen-Kreisverkehr, der die Notwendigkeit einer Unternehmenssanierung immer wahrscheinlicher macht. Bleibt demnach zu hoffen, dass die von der Bundesregierung ausgegebenen Finanzspritzen für die Automobilbranche auch wieder neuen Speditionsbedarf generieren, der seinerseits die zum Teil brachliegende Speditionsbranche auf den Weg Richtung Aus- und Weiterfahrt aus dieser Krise bringt und eine Sanierungsberatung im besten als flankierende Maßnahme wahrgenommen wird.

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